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Pressemeldung

Gute Versorgung, weniger Kosten - 200000 Euro vom Land für Gesundheitsprojekte im Emsland

Über die Landeszuschüsse freuen sich von links Wolfgang Hentrich, Christoph Schwerdt (beide Genial), Sigrid Kraujuttis (Sozialdezernentin des Landkreises), Hartmut Görtz (Gefäßchirurgie) und Hans-Joachim Rosch (Genial). Foto: Caroline TheilingLingen. Das Land Niedersachsen, gesetzliche Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigung fördern erstmalig besondere Leuchtturmprojekte in den niedersächsischen Gesundheitsregionen, darunter auch zwei im Emsland. Von den Fördergeldern von insgesamt 400000 Euro gehen 200000 Euro an die beiden Projekte.

Der Landkreis Emsland hatte sich mit den Projekten „Genial Lotse“ und „Regionales Wundmanagement“ an der Ausschreibung beteiligt. Beide erhalten nun jeweils 100000 Euro.

Kooperation ist wichtig

„Ziel beider Projekte ist es, dass verschiedene Berufsgruppen im Sinne des Patienten besser zusammenarbeiten. Eine schnelle, kompetente Hilfe, die aufeinander abgestimmt ist. Wichtig ist dabei vor allem die Bereitschaft aller zu Kooperation ,“ erläuterte Wolfgang Hentrich, Vorstandsvorsitzender der Genial eG in einem Gespräch mit der Redaktion, an dem auch weitere Vertreter von Genial teilnahmen sowie Sigrid Kraujuttis, Sozialdezernentin des Landkreises Emsland und Dr. Hartmut Görtz von der Gefäßchirurgie des Bonifatius-Hospitals als „Wundexperte“.

Gefördert werden Projekte, die eine starke regionale Verankerung aufzeigen, zukunftsrelevante Gesundheitsthemen (Koordinierung der Versorgungsbedarfe bestimmter Patientengruppen) aufgreifen und auch die Schnittstellen zwischen ambulantem und stationären Bereich bearbeiten, heißt es dazu in einer Mitteilung des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums.

Bei „Genial-Lotse“ handele es sich um ein innovatives Betreuungskonzept, bei dem es darum geht, es Menschen, die überdurchschnittlich lange krank sind, zu ermöglichen, wieder in den Beruf zurückzukehren, stellte Hentrich ein Projekt vor, das voraussichtlich ab April 2016 umgesetzt werden kann.

Zahl der Fehltage steigt

Der Gesundheitsreport der Betriebskrankenkassen (BKK) zeige, dass im vorigen Jahr zwar wie in den Vorjahren nur gut vier Prozent der Versicherten für länger als sechs Wochen krankgeschrieben, doch sorgten sie damit für fast die Hälfte (46 Prozent) aller Fehltage in den Betrieben. Vor zehn Jahren lag der Anteil noch bei 41 Prozent. „Das kostet die Kassen Millionenbeträge,“ berichtet Dr. Hans-Joachim Rosch, Mitglied des Gesundheitsnetzwerkes genial. „Wir sprechen hier nicht von Erkrankungen wie Krebs,“ so Rosch weiter. Häufigste Ursache für die Langzeiterkrankungen seien Rückenleiden und in zunehmendem Maße psychische Krankheiten wie Burn out oder Depressionen.“ Beobachtungen aus dem Alltag zeigten, dass Dinge wie Konflikte, Schulden oder familiäre Probleme dazu führen können, bei Patienten die Genesung hinauszögern oder verhindern, so Hentrich weiter. „Offenbar spielt auch das soziale Umfeld eine Rolle, wenn darum geht, wie lange jemand krank ist.“ 

Es gebe mehrere Einrichtungen, die helfen können. Der Patient sei im Spinnennetz der Institutionen schnell überfordert. Hier komme der Loste ins Spiel. Er soll dem Patienten zur Seite stehen, Kontakte herstellen, Abläufe beschleunigen und Schnittstellen in den Hilfssystemen erkennen und anwenden.

Einheitliche Therapieempfehlung

Auch Dr. Hartmut Görtz berichtete über steigende Patientenzahlen im Bereich der Wundversorgung. „Eine Wunde ist Ausdruck einer Krankheit, die zugrunde liegt. „Das kann schon eine relativ spezielle Angelegenheit sein.“ Hinzu käme, dass die Industrie mit immer neuen differenzierten Heilmitteln auf den Markt dränge, was es den Beteiligten nicht einfacher mache, eine fachgerechte Versorgung zu gewährleisten. „Wir wollen eine Netzwerkstruktur erschaffen, wo alle Bereiche in der Wundversorgung zusammenarbeiten sowohl im ambulanten wie auch im stationären Bereich. Die Primärbehandlung bleibe beim Arzt, doch Wundexperten könnten Ärzte massiv entlasten,“ betont Görtz weiter. Damit das auch erfolgreich umgesetzt werden könne, wurde eine einheitliche Therapieempfehlung für die gesamte Region entwickelt mit ausgewählten Produkten, mit denen alle arbeiten. Somit können die Personen, die damit umgehen, gezielter geschult werden. Für die Patienten bedeute das im besten Falle eine Verkürzung der Behandlungsdauer, für den Arzt mehr Zeit für andere kranke Menschen und für die Krankenkassen eine Entlastung des Budgets.

„Wir können stolz darauf sein, das wir im Emsland in der Gesundheitsversorgung so weit vorn in Niedersachsen sind,“ sagte Sigrid Kraujuttis, Sozialdezernentin des Landkreises abschließend.

Erschienen am 28.12.2015 in der Lingener Tagespost
Quelle: http://www.noz.de/lokales/lingen/artikel/653003/200000-euro-vom-land-fur-gesundheitsprojekte-im-emsland-1#gallery&0&0&653003



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