Kontakt  |  Login  |  Suche

 
Pressemeldung

Ärztenetz: Mit langem Atem zur KV-Zertifizierung

Dr. Wolfgang Hentrich ist glücklich über die KV-Zertifizierung des Ärztenetzes „genial“ in dessen Vorstand er tätig ist. © Christian BenekerIm Januar wurde das Ärztenetz „genial“ in Lingen von der KV zertifiziert. Bis dahin dauerte es ein Jahr. Die Zuschläge, die es nun auf das RLV gibt, waren für die Ärzte aber eher nebensächlich.

LINGEN. Wovon lebt die Arbeit eines Arztnetzes? Zunächst vom langen Atem. Denn: Arztnetze müssen wachsen, und die Beharrungskräfte in der Ärzteschaft sind groß; mancher Arzt verzichtet auf den günstigeren gemeinsamen Einkauf im Netz, weil es sich von seinen alten Händlern nicht lösen möchte. Und nicht jede KV zieht mit.

Außerdem lebt die Netzarbeit von einem Koordinationsbüro, das den Netzärzten so viel Bürokratie abnimmt wie möglich. Und von der dazugehörigen KV, die das Ganze wertschätzt, schließlich zertifiziert und mit Geld unterstützt, sowie von einer kleinen Gruppe „positiv Bekloppter“, die Jahr um Jahr für die Sache streiten, wie Dr. Wolfgang Hentrich erzählt, Vorstandsmitglied des niedersächsischen Ärztenetzes „genial“ (Gesundheitsnetz im Altkreis Lingen).

Die 51 Genossenschaftsmitglieder des Ärztenetzes „genial“ freuen sich, dass die KV Niedersachsen (KVN) ihre gemeinsame Arbeit im Januar zertifiziert hat. Jetzt werde man langsam vertragsfähig für die Krankenkassen, sagt Hentrich. „Denn jetzt haben die Kassenvertreter auch intern Argumente dafür, um für die Projekte des Netzes zu werben“. Jetzt, sagt Hentrich, „darf unser Netz auf die Straße.“

Zuschläge von Faktor 1 bis 1,75

Dass die Netzärzte nun für gemeinsame Versorgungsprojekte Zuschläge in Höhe eines Faktors von 1 bis 1,75 auf ihr Regelleistungsvolumen bekommen, ist für das Lingener Netzbüro eher nebensächlich. Mehr hätte man sich in Lingen wohl über Geld für die Organisation des Netzes gefreut. Aber in Niedersachsen gibt es den 50000-Euro-Projekt- Zuschuss aus dem KVN Sicherstellungsfonds nur dann, wenn das Netz die gleiche Summe auf den Tisch legt. Das ist einfach nicht drin – ein Projekt ist das Büro auch nicht. 

Also zahlten die Netzmitglieder in Lingen 50 Euro pro Kopf in die Netzkasse. Viel ist das nicht. „Aber es sorgte für viele Diskussionen unter den Kolleginnen und Kollegen“, so Hentrich. Man braucht wie gesagt einen langen Atem. Geschäftsführer Christoph Schwerdt sieht auch in der soliden Finanzierung der Geschäftsstelle für die Zukunft das A und O.

Im Hinblick auf die KVN freuen sich Hentrich und Schwerdt auch über so etwas wie einen Missionserfolg. Im Vergleich zu manch anderer KV, die weder Richtlinien noch Förderungen beschlossen hätten, gehört die KVN ihrer Ansicht nach zu den engagierteren. „Im Prozess der Zertifizierung, der ungefähr ein Jahr brauchte, hat nun die KVN wirklich verstanden, dass wir es sind, die ihr in der Provinz die Versorgung retten“. Es habe da „einige Aha-Effekte in der KV gegeben“, berichtet Schwerdt weiter.

15 junge Ärzte eingestellt

So haben etwa die 28 Netzpraxen in Lingen 15 junge Mediziner eingestellt. Damit betreibt „genial“ die Nachwuchsarbeit, mit der sich manche KV so schwertut. In den Praxen können sich junge Kollegen als angestellte Partnerschaftsärzte schon mal an das Leben als niedergelassener Arzt gewöhnen. Und an das Netz als solches.

Die Projekte des Netzes dürften ein Übriges getan haben für dessen Überzeugungskraft: Zusammen mit dem Lingener Krankenhaus folgen die Netzärzte einem gemeinsam festgelegten Wundversorgungskonzept bis hin zu den Verbandsmaterialien. „Wir haben auch produktunabhängige Wundexperten, die auf Anruf in die Praxen kommen und Behandlungsempfehlungen geben“. Auch dieses Projekt wird vom Land Niedersachsen gefördert. Noch hat das Netz keine zentrale Patientenakte. Aber 2016 soll auch dieses Projekt angepackt werden, erklärt Schwerdt.

Für Hentrich und Schwerdt ist „genial“ eine Dauerbaustelle an der medizinischen Versorgung in Lingen und Umland. Bei den regionalen und handfesten Projekten soll es bleiben. „Bedingung für die Zertifizierung und die Rezertifizierung in fünf Jahren ist es schließlich, dass wir uns immer weiter entwickeln“, betont Hentrich. Es müssen also immer neue Ideen auf den Tisch. „Zwar haben wir genug ‚Raumschiffe‘, die über uns hinweg fliegen und gute Ratschläge geben“, grinst Hentrich, „aber wir machen weiter Graswurzelarbeit.“ 
(cben)

Erschienen am 17.02.2016 in der KVN PresseSchau




[zurück zum Gesamtüberblick]