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Pressemeldung

Krankheit erzeugt hohes Leid - Bündnis gegen Depression in Meppen gegründet

Meppen. Die Aktion „Emsländisches Bündnis gegen Depression“ ist mit einer Auftaktveranstaltung im Kreishaus in Meppen gestartet worden. Die Gesundheitsregion Emsland hat es sich zum Ziel gesetzt, mehr über depressive Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

Bundesweit scheiden pro Jahr mehr als 10.000 Menschen durch Selbsttötung aus dem Leben. Das sind mehr Todesfälle, als die durch Verkehrsunfälle und Drogenmissbrauch. „Auch im Landkreis Emsland gehört die Depression zu den häufigsten psychischen Erkrankungen“, stellte Landrat Reinhard Winter fest. Mit Unterstützung durch den Landkreis wolle man das neue Projekt dafür nutzen, Lehrer, Altenpflegekräfte, Polizisten, Seelsorger und Hausärzte zu schulen, damit diese Weichen für eine richtige Behandlung stellen könnten.

Gaben den Startschuss für das „Emsländische Bündnis gegen Depression“ (v.l.): Sigrid Kraujuttis, Thomas Burke, Johanna Sievering, Stefan Oschika, Ariane Holland, Jeanette Böhler, Gregory Hecht, Felizitas Michaelis, Reinhard Winter. Foto: Harnack
Im Laufe einer Expertenrunde erzählte die Ärztin Ariane Holland, dass Patienten eher selten auf ein psychisches Problem hinwiesen. „Sie berichten über Bauchschmerzen und Schwindel und beim Weg aus dem Zimmer kommen sie dann fast nebenbei auf ihr wirkliches Problem zu sprechen.“ Man müsse dann gut zuhören und sich Zeit nehmen, empfahl die Medizinerin.

Stefan Oschika, Facharzt für Neurologie, sagte, dass Menschen heute durch die jederzeitige Erreichbarkeit mehr Stress ausgeliefert seien. Männer würden übrigens wegen „so was“ eher nicht zum Arzt gehen, meint er. „Schön wäre es, wenn die Erkrankung auch als solche in der Öffentlichkeit gesehen, und ebenso akzeptiert wird, wie eine Herzschwäche.“

Gregory Hecht, Chefarzt am St.-Vinzenz-Hospital in Haselünne , machte deutlich, dass man dort Patienten, die Soforthilfe benötigten, auch an Sonn- und Feiertagen aufnehme. Hecht erklärte, dass jeder Patient eine individuelle Therapie benötigt. „Es gibt nicht die eine Depression, sondern ein Spektrum von depressiven Erkrankungen“, meinte der Fachmediziner. „Als einzige Klinik in der Region setzen wir eine bestimmte Form der Magnetstimulation ein, die mit gutem Erfolg läuft.“ Bei schwerstbetroffenen Patienten könne man ab dem kommenden Jahr auf die Elektrokrampftherapie setzen. „Diese Therapie ruft sicherlich zunächst Unbehagen hervor, ist für die Patienten aber eine sehr, sehr segensreiche Therapie“, führte er weiter aus. „Frauen erkranken doppelt so häufig wie Männer an Depressionen“, hat Hecht festgestellt. Man wisse aber noch nicht definitiv, warum.

Der große Sitzungssaal des Kreistages konnte die Zuhörer kaum fassen, die zur Auftaktveranstaltung des Bündnisses gegen Depression kamen. Foto: HarnackEmsland-Dechant Thomas Burke sagte, dass man als Geistlicher mit Menschen häufig an den „Bruchstellen des menschlichen Lebens“ ins Gespräch komme. Das passiere natürlich besonders bei Trauerfällen. Psychotherapeutin Felizitas Michaelis sagte, dass der Berufsstand sich eine bessere Vernetzung wünsche. „Jeder Psychotherapeut wird zur akuten Versorgung ab dem 1. April 2017 zwei Sprechstunden anbieten.“ Sie machte auf eine steigende Nachfrage aufmerksam. „Psychotherapie ist keine Wellness-Behandlung, die man mal so macht.“ 

In ihrem Fachvortrag legte Jeanette Böhler Wert auf die Feststellung, dass Depression eine lebensgefährliche Erkrankung sei, die hohes Leid erzeuge. „Viele Betroffene erkennen die eigene Depression nicht und haben Angst, sich in eine Behandlung zu begeben“, zeigte sie auf einen häufig undurchdringbaren Kreislauf. Dann entstünde ein Gefühl von Schuld und Wertlosigkeit, die den Suizidgedanken auslösen könnten. Die Säulen der Behandlung könnten medikamentös, psycho- und soziotherapeutisch sein, abgestimmt auf den Einzelfall. Der Betroffene könne aber auch selbst an sich arbeiten und Tagesstrukturen aufbauen, Sport betreiben und soziale Kontakte nutzen. „Akzeptieren Sie die Erkrankung, bleiben geduldig und ziehen einen Arzt zu Rate“, sagte Böhler. 


Quelle: http://www.noz.de/lokales/meppen/artikel/802709/buendnis-gegen-depression-in-meppen-gegruendet#gallery&0&0&802709
Erschienen am 8. November 2014 in der Lingener Tagespost (Autor: Heiner Harnack)



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